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STATUS UPDATE KW 31

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3. August 2026

Tag 2.009 – über 100.114 Tote (ACLED) und 22.543 Inhaftierte (AAPP)

—

Die Junta hat ihre Angriffe auf die Zivilbevölkerung seit dem Amtsantritt der neuen militärnahen “Regierung” in Naypyitaw deutlich verschärft.

Zu diesem Ergebnis kommt das Konfliktbeobachtungs-projekt “The Armed Conflict Location & Event Data” (ACLED) Projekt in einem Bericht.

Demnach ist die Eskalation auf die Taktik des neuen Oberbefehlshabers der Streitkräfte, Ye Win Oo, zurückzuführen, der das Kommando am 30. März übernahm – elf Tage bevor Min Aung Hlaing als “Präsident” vereidigt wurde.

„Seit die herrschende Junta in Myanmar im März die Führungsstruktur des Militärs neu organisiert hat, ist die Zivilbevölkerung einer zunehmenden Repression und einer intensivierten Luftbombenkampagne des Militärs ausgesetzt“, heißt es in dem am 27. Juli veröffentlichten ACLED-Bericht. „Zu diesen Änderungen gehörte unter anderem der regelmäßige Einsatz spezialisierter Verbände aus zwei bis fünf Kampfflugzeugen, die anhaltende Luftangriffe auf einzelne Ziele fliegen.“

Unter dem Kommando von Ye Win Oo hat das Militär neue Offensiven in mehreren Regionen begonnen, darunter auch in einem Grenzgebiet mit bedeutenden Vorkommen seltener Erden sowie entlang weiterer wichtiger Handelsrouten.

„Für die Zivilbevölkerung ist kaum mit einer Entlastung zu rechnen, da die Junta ihre Anstrengungen darauf konzentriert, ihre Kontrolle zu festigen, nachdem Putschführer Min Aung Hlaing im April vom Oberbefehlshaber der Streitkräfte zum zivilen “Präsidenten” geworden ist“, so ACLED. (DVB)


Die ersten 100 Tage von Min Aung Hlaings Präsidentschaft waren nicht von Stabilität geprägt, sondern von explodierenden Eierpreisen und einer sich verschärfenden Versorgungskrise.

Während viele Haushalte mit der Beschaffung lebensnotwendiger Güter kämpfen, versprach der Junta-Chef am Freitag in seiner Rede zur Lage der Nation vor dem Parlament unrealistischerweise, das Bruttoinlandsprodukt des Landes zu verdoppeln und gleichzeitig Myanmar wiederaufzubauen. In seiner Rede wies er zudem den Friedensplan der Association of Southeast Asian Nations (ASEAN) für Myanmar erneut zurück. Er behauptete, der Konsens sei keine verbindliche Vereinbarung, sondern lediglich ein Anhang zur Erklärung des jeweils amtierenden ASEAN-Vorsitzes.

Er kündigte außerdem an, noch mehr junge Männer zum Militärdienst einzuziehen, stellte Schein-Nachwahlen in Aussicht und griff erneut ehrgeizige Pläne für den Bau von Wasserkraftwerken auf. Kritiker warnen, dass diese sowohl ökologisch als auch gesellschaftlich verheerende Folgen haben könnten. (The Irrawaddy)


Die Militärjunta vertrieb am Sonntag die People’s Defence Force (PDF) aus dem Dorf Htinzin in der Gemeinde Tamu.

Das Dorf liegt an der 130 Kilometer langen Straße zwischen Kalay und Tamu in der Region Sagaing. Bereits fünf Tage zuvor, am 21. Juli, hatten Regimetruppen die Kontrolle über das Dorf Kammagyi in der Gemeinde Tamu zurückerlangt.

Regimenahe Medien berichteten, die PDF habe nach der Vertreibung der Bewohner deren Häuser sowie öffentliche Gebäude in Htinzin besetzt. Zudem werfen sie den Widerstandskräften vor, Eigentum geplündert und Dorfbewohner misshandelt zu haben, die sie nicht unterstützen konnten oder wollten. Die PDF hat auf diese Vorwürfe bislang nicht reagiert.

Die Gemeinde Tamu ist weiterhin zwischen den Streitkräften der Junta und den Widerstandskräften umkämpft. Seit 2022 hat die der National Unity Government unterstellte PDF die Kontrolle über die Städte Khampat, Shwe Pyi Aye, Myothit und Pinlebu in der Region Sagaing übernommen. (DVB)


Das Treffen zwischen der Ta’ang National Liberation Army (TNLA) und dem National Solidarity and Peace Negotiation Committee (NSPNC) der Junta am 19. Juli sorgte in der Öffentlichkeit für große Überraschung und Kritik.

Das Treffen fand vor dem Hintergrund einer Reihe von Gesprächen des NSPNC mit verschiedenen ethnischen bewaffneten Organisationen zwischen Juni und Juli statt sowie kurz vor dem Ablauf des 100-Tage-Plans des Militärregimes, den Min Aung Hlaing am 20. April 2026 angekündigt hatte und der Ende Juli enden sollte.

Die Kritik konzentrierte sich auf die Frage, warum die TNLA nun offenbar bereit war, direkt mit der Junta in Naypyitaw zu verhandeln. Dennoch kam die Entscheidung der TNLA, direkte Gespräche mit der Junta aufzunehmen, nicht völlig überraschend. Bereits am 15. April hatte die Organisation Min Aung Hlaing in einer offiziellen Erklärung zu seiner Ernennung zum “Präsidenten” gratuliert und damit ihre offensichtliche Bereitschaft signalisiert, engere Beziehungen zum Regime aufzubauen. (The Irrawaddy)


Die wichtigste Rohingya-Menschenrechtsorganisation Malaysias forderte die Regierung auf, die geplante Abschiebung von rund 5.000 Rohingya nach Myanmar zu stoppen.

Der Appell erfolgte einen Tag, nachdem Malaysias Premierminister Anwar Ibrahim erklärt hatte, Myanmar habe sich bereit erklärt, 5.000 Rohingya zurückzunehmen. Die Myanmar Ethnic Rohingya Human Rights Organization in Malaysia forderte Anwar und seinen Innenminister auf, vor einer Rückführung die UN-Flüchtlingsorganisation sowie Vertreter der Rohingya zu konsultieren. Die Rückführung der Rohingya nach Myanmar würde gegen „das grundlegende völkerrechtliche Prinzip des Non-Refoulement verstoßen, das die Rückführung von Menschen an einen Ort verbietet, an dem ihr Leben bedroht ist“, erklärte die Organisation. Sie warnte auch, dass abgeschobene Rohingya zwangsweise ohne militärische Ausbildung in die Armee der Junta eingezogen und in Kämpfen gegen ethnische bewaffnete Gruppen als menschliche Schutzschilde eingesetzt werden könnten. (The Irrawaddy)


Ein besorgniserregendes Muster sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt zeichnet sich im Shan-Staat ab. Nach Angaben des Shan Women’s Action Network (SWAN) wurden dort innerhalb von drei Jahren mehr als 170 Fälle registriert.

Die Organisation kritisierte zudem das weit verbreitete Versagen der Justiz, Überlebende wirksam zu schützen. SWAN dokumentierte zwischen 2022 und 2025 insgesamt 172 Fälle sexueller und geschlechts-spezifischer Gewalt. Darunter befanden sich 70 Vergewaltigungen. Von den erfassten Übergriffen wurden 49,1 Prozent vom Ehepartner oder einer intimen Partnerperson verübt. Angehörige der Militärjunta oder bewaffneter ethnischer Rebellengruppen wurden in 14,9 Prozent der Fälle als Täter identifiziert. SWAN betonte, dass der bewaffnete Konflikt und die massenhafte Vertreibung der Bevölkerung die Gewalt weiter angeheizt und die ohnehin schwachen Justizstrukturen zusätzlich geschwächt hätten. Nur etwa die Hälfte der 172 dokumentierten Fälle wurde strafrechtlich verfolgt oder anderweitig abgeschlossen. (The Irrawaddy)


Im Rahmen der laufenden weltweiten Initiative, die Militärdiktatur in Myanmar zur Rechenschaft zu ziehen, haben Überlebende von Kriegsverbrechen aus dem nordwestlichen Chin-Staat ihren zweiten Antrag auf eine gerichtliche Entscheidung („motion to resolve“) beim philippinischen Justizministerium eingereicht.

Dies sei der nächste Schritt in einem Verfahren, das 2023 eingeleitet wurde, teilten das Myanmar Accountability Project (MAP) und die Chin Human Rights Organization (CHRO) am 31. Juli mit.

Der Antrag erhöht den Druck auf die Behörden in Manila, eine Untersuchung des massiven Brandanschlags der Junta-Truppen auf die Chin-Stadt Thantlang im Jahr 2021 einzuleiten. Bei dem Angriff der Militärregierung wurden rund 1.500 Häuser, Kirchen, Schulen, medizinische Einrichtungen und andere zivile Gebäude zerstört. Tausende Zivilisten wurden gewaltsam vertrieben, viele von ihnen flohen nach Indien. (Mizzima)


Die Europäische Union hat am 30. Juli Sanktionen gegen die Democratic Karen Benevolent Army (DKBA) sowie fünf ihrer ranghohen Vertreter verhängt.

Der bewaffneten Gruppe wird vorgeworfen, groß angelegte Online-Betrugszentren im Raum Myawaddy geschützt und kriminellen Netzwerken ermöglicht zu haben, in den von ihr kontrollierten Gebieten zu operieren. Nach Angaben der EU habe die DKBA den Betrieb von Betrugszentren unter ihrem Schutz zugelassen, deren Sicherheit gewährleistet und von den Einnahmen aus deren kriminellen Aktivitäten profitiert.

Der EU-Rat erklärte außerdem, dass DKBA-Soldaten Berichten zufolge an Gewalt gegen Opfer von Menschenhandel beteiligt gewesen seien, darunter an Misshandlungen gefesselter Personen.

Nach Angaben der EU wurden die Menschen in den Betrugszentren entweder unter falschen Versprechungen angeworben oder Opfer von Menschenhandel.

Die Sanktionen sehen das Einfrieren sämtlicher Vermögenswerte der gelisteten Personen und Organisationen innerhalb des EU-Hoheitsgebiets vor. Bürger und Unternehmen der EU dürfen ihnen weder Geld noch wirtschaftliche Ressourcen zur Verfügung stellen. Gegen die fünf Einzelpersonen wurden zudem Reiseverbote verhängt, die ihnen die Einreise in oder die Durchreise durch das Gebiet der EU untersagen.

Bereits am 12. November 2025 hatten die USA Sanktionen gegen die DKBA und vier ihrer führenden Vertreter verhängt. Das US-Finanzministerium warf der Gruppe damals vor, das Betrugszentrum Tai Chang geschützt zu haben. Dieses sei nach Angaben der US-Behörden von Sai Kyaw Hla gemeinsam mit einem in Thailand ansässigen Unternehmen gegründet worden, das als Tarnfirma für chinesische organisierte Kriminalitätsnetzwerke fungiert habe. (Mizzima)


Aung Kyaw Moe, der stellvertretende Menschenrechtsminister des National Unity Government (NUG), gab am 31. Juli in den sozialen Medien bekannt, dass er mit Wirkung zum selben Tag von seinem Amt zurückgetreten ist.

Aung Kyaw Moe ist der erste Angehörige der Rohingya, der seit 1962 ein dem Ministerrang entsprechendes Regierungsamt in Myanmar innehatte. Nach dem Militärputsch von 2021 war er zunächst als Berater tätig und wurde im Juni 2023 zum stellvertretenden Menschenrechtsminister ernannt.

In seiner Erklärung in den sozialen Medien betonte er, sein Rücktritt sei weder auf politische Meinungs-verschiedenheiten noch auf Konflikte oder Spannungen mit der Führung der NUG zurückzuführen. Er führte weiter aus, seine Entscheidung sei strategischer Natur. Sie ermögliche es ihm, sich in der aktuellen Situation stärker auf die Rechte, die politische Vertretung, die Würde und die langfristigen Interessen der Rohingya zu konzentrieren. (Mizzima)


Die Inhalte unserer Presserundschau aus myanmarischen Medien werden mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt. GSM übernimmt jedoch keine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der bereitgestellten Informationen.


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