Tag 1.841 – über 50.000 Tote (ACLED) und 22.789 Inhaftierte (AAPP)
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Der Chef der Junta, Min Aung Hlaing, entging letzten Monat in Mandalay nur knapp einem improvisierten Raketenangriff, wo er laut Militärquellen ein Yadaya durchführen wollte – ein traditionelles myanmarisches Ritual, das Unglück abwehren soll.
Die in Naypyitaw ansässigen Quellen berichteten, dass das Central Military Command (CMC) der Junta, das seinen Sitz im Mandalay-Palastkomplex hat, am frühen Morgen des 27. Januar von dem Angriff getroffen wurde.
Min Aung Hlaing hatte die Nacht zuvor dort verbracht, um sich auf das Ritual vorzubereiten, für das er sich in myanmarische Königskleidung gekleidet hatte und um 4:41 Uhr morgens – einer als glücksbringend geltenden Zeit – über die Mingalar-Brücke in den Palast einziehen wollte.
Den Quellen zufolge verfehlte die Rakete ihn, aber er stand unter Schock und beschloss, sich eine Woche lang zurückzuziehen. Die Widerstandsgruppe Brave Warriors for Myanmar bekannte sich zu dem Anschlag und veröffentlichte am 27. Januar auf Facebook, dass ihre Kämpfer um 4:30 Uhr morgens an diesem Tag improvisierte Raketen vom Kaliber 107 mm auf das CMC abgefeuert hätten. Sie behaupteten, drei Raketen seien erfolgreich detoniert und mehrere Offiziere seien bei dem Anschlag verletzt worden. Die Gruppe sagte, sie sei sich nicht sicher, ob der Junta-Führer getroffen worden sei, und fügte hinzu, dass die Operation durchgeführt worden sei, nachdem sie einen Hinweis erhalten hätten, dass Min Aung Hlaing sich im Palast aufhalten würde. (The Irrawaddy)
Die Union Election Commission (UEC) der Junta hat am Samstag eine Liste mit 110 Soldaten veröffentlicht, die in das Unterhaus des Parlaments, das Pyithu Hluttaw, berufen wurden.
Das myanmarische Parlament, das Pyidaungsu Hluttaw, wird laut Angaben des Regimechefs, Min Aung Hlaing, in der dritten Märzwoche zusammentreten. Gemäß der Verfassung von 2008 stehen dem Militär 25 Prozent oder 166 Sitze in beiden Kammern des Parlaments zu.
Die UEC wird in Kürze die Liste der weiteren 56 Soldaten veröffentlichen, die in die Amyotha Hluttaw, das Oberhaus des Parlaments, berufen werden sollen. Die vom Militär unterstützte Union Solidarity and Development Party (USDP) gewann bei den “Wahlen” 2025-26 108 Sitze im Amyotha Hluttaw und 231 Sitze im Pyithu Hluttaw. Gemäß der vom Militär 2008 erarbeiteten Verfassung kann jede politische Partei, die 294 der 586 Sitze in der Legislative kontrolliert, den Präsidenten ernennen. Die Gesamtzahl der Sitze der USDP und der ernannten Militärpolitiker beträgt 505 und übersteigt damit bei weitem die erforderlichen 294 Sitze. (DVB)
Die Kachin Independence Organization/Army (KIO/KIA) wird keinen politischen Dialog mit dem Regime aufnehmen, solange andere revolutionäre Gruppen, darunter die National Unity Government (NUG), nicht in die Gespräche einbezogen werden, erklärte Gun Maw, stellvertretender Vorsitzender des Kachin Independence Council (KIC).
Generalleutnant Gun Maw äußerte sich in einer virtuellen Ansprache anlässlich einer Feier zum 65. Jahrestag der Kachin-Revolution, die am Montag im US-Bundesstaat Texas stattfand.
Seit dem Staatsstreich von 2021 hat sich die KIO/KIA mit den People’s Defense Forces der NUG, Chin-Einheiten und anderen bewaffneten Widerstandsgruppen verbündet, um Offensiven gegen das Regime in den nördlichen Bundesstaaten Shan, Kachin und Chin sowie in der Region Sagaing durchzuführen.
Der KIC ist der administrative Arm der KIO und beaufsichtigt die KIA und alle Abteilungen. (The Irrawaddy)
Die Widerstandskräfte haben in den letzten drei Monaten vier Stützpunkte der Junta eingenommen und eine Militäreinheit in den Distrikten Kawlin und Kantbalu in der Region Sagaing besiegt, teilte das National Unity Government (NUG) mit.
Das NUG berichtete, dass ihre People’s Defense Force (PDF) und die Truppen der Arakan Army (AA) während der Offensive 96 Soldaten des Regimes getötet, 38 verwundet und 101 weitere festgenommen hätten. Widerstandskräfte beschlagnahmten außerdem 187 Waffen, eine große Menge Munition und andere militärische Ausrüstung. Der jüngste größere Zusammenstoß ereignete sich am 7. und 8. Februar, als PDF- und AA-Kräfte eine Kolonne von mehr als 200 Soldaten der Junta überfielen, die von der Stadt Kawlin zum Dorf Thayet Khon vorrückten. Der Schlacht ging ein viertägiger Angriff voraus, bei dem die Verbündeten des Widerstands am 31. Januar über 100 Junta-Soldaten in die Flucht schlugen und deren Stützpunkt im Dorf Koe Htaung Bo in der Gemeinde Kantbalu einnahmen. (The Irrawaddy)
Das Regime gab bekannt, dass es die Stadt Banmauk in der Region Sagaing von den Widerstandskräften unter Führung der Kachin Independence Army (KIA) zurückerobert habe.
Die KIA hatte Banmauk am 20. September letzten Jahres eingenommen, woraufhin das Militär und die mit der Junta verbündete Shanni Nationalities Army am 24. September eine Gegenoffensive starteten, um die Stadt zurückzuerobern. Eine Quelle der People’s Defence Force (PDF) teilte mit, dass sich die Widerstandskräfte aus Banmauk zurückgezogen hätten, weil sie von den Luftangriffen des Regimes „überwältigt” worden seien.
Das Regime erklärte, es werde der Wiederherstellung von „Recht und Ordnung” in der Stadt Vorrang einräumen. Es beschuldigte „KIA- und PDF-Terroristen”, in den letzten vier Monaten „willkürliche Verhaftungen und Zwangsrekrutierungen” durchgeführt sowie die Häuser von Einwohnern niedergebrannt zu haben. Außerdem warf es ihnen vor, durch übermäßigen Abbau natürlicher Ressourcen in der Region Umweltschäden verursacht zu haben. (Frontier Myanmar)
Die Streitkräfte der Junta haben zwischen dem 4. und 8. Februar mindestens 17 Dörfer in den Gemeinden Myingyan und Natogyi niedergebrannt und damit Zehntausende Einwohner gezwungen, ohne Nahrung und Unterkunft zu fliehen.
„Sie brennen Dörfer kontinuierlich nieder, ohne dass es zu Zusammenstößen kommt. Gleichzeitig finden in den Gebieten Natogyi und Taungtha Luftangriffe statt. Ganze Dörfer stehen in Flammen. Wir wissen nicht genau, wie viele Häuser zerstört wurden, da sich niemand traut, zurückzukehren und nachzusehen. Die Menschen, die geflohen sind, haben nichts zu essen. Viele können nicht einmal provisorische Unterkünfte aus Planen oder Palmblättern bauen“, berichtete ein Mitglied der humanitären Hilfsgruppe der Gemeinde Myingyan.
Die Brandstiftung in Dörfern in den Gemeinden Myingyan und Natogyi hat seit 2022 zugenommen. Die humanitäre Gruppe der Gemeinde Myingyan sagte, dass die Zerstörung während der “Wahlperiode” weiter eskalierte. (Mizzima)
Fünf Zivilisten wurden getötet und sechs weitere schwer verletzt, als zwei Kampfflugzeuge der Junta vom Luftwaffenstützpunkt Magway am Morgen des 10. Februar das Dorf Chet Kan im Südosten der Gemeinde Pauk bombardierten.
Der Angriff, der gegen 10:48 Uhr stattfand, traf direkt einen örtlichen Lebensmittelladen, wodurch der Ladenbesitzer und mehrere Kunden sofort ums Leben kamen. Unter den Toten befanden sich vier Frauen im Alter zwischen 16 und 54 Jahren und ein 19-Jähriger.
Später am Abend desselben Tages führte die Junta einen weiteren Luftangriff mit einem Kampfflugzeug durch. Da weiterhin Überwachungsdrohnen über dem Gebiet kreisten, flohen die meisten Bewohner aus ihren Häusern und suchten Zuflucht in den nahe gelegenen Wäldern und Feldern. Mehr als 25.000 Menschen aus 52 Dörfern in der Gemeinde Pauk sind derzeit aufgrund der Operationen einer etwa 300 Mann starken Kolonne der Militärjunta in diesem Gebiet von einer langfristigen Vertreibung betroffen. (The Irrawaddy)
Am 9. Februar veröffentlichte die Chin Human Rights Organisation (CHRO) eine Pressemitteilung, in der sie auf Luftangriffe der myanmarischen Junta auf Kirchen, buddhistische religiöse Gebäude und zivile Wohngebiete im Bundesstaat Chin in diesem Monat aufmerksam machte, bei denen Zivilisten getötet und geschützte Stätten beschädigt wurden.
Die CHRO erklärte, dass Kampfflugzeuge der Junta am 8. Februar koordinierte Luftangriffe auf die Gemeinden Kanpetlet, Mindat und Matupi geflogen hätten, wobei sie Dörfer und Städte angriffen, in denen Zivilisten Zuflucht gesucht hatten. Im Dorf Chinpiang trafen Luftangriffe eine Baptistenkirche, während sich Gläubige zum Sonntagsgottesdienst versammelt hatten. Dabei wurden mindestens drei Zivilisten, darunter ein Kind, getötet und weitere verletzt, so die Organisation. Die Explosionen beschädigten auch eine Schule und nahegelegene Häuser. Am selben Tag beschädigten Angriffe in der Stadt Mindat eine buddhistische Dhamma-Halle, während Wohngebiete in der Stadt Kanpetlet ebenfalls bombardiert wurden. (Mizzima)
Die Truppen der Kachin Independence Army (KIA) haben ihre Umzingelung des Infanteriebataillons 58 der Junta in Waingmaw im Bundesstaat Kachin verstärkt, sind bis auf 100 Meter an die Basis herangerückt und haben fast täglich Zusammenstöße ausgelöst, sagte KIA-Sprecher Oberst Naw Bu.
Die Außenposten, die das Bataillon bewachen, wurden vernichtet, und die von der KIA angeführten Truppen haben nun den Umkreis der Hauptbasis erreicht. Allerdings sei noch kein Befehl für einen groß angelegten Angriff zur Einnahme des Hauptquartiers erteilt worden, sagte Naw Bu.
Zwei Militäroffiziere – ein stellvertretender Bataillonskommandeur im Rang eines Majors und ein Leutnant – wurden laut Social-Media-Beiträgen bei den Zusammenstößen in getötet. (The Irrawaddy)
Die Democratic Voice of Burma (DVB) sprach der Familie von Sein Win, 83, Mitbegründer der DVB und Cousin der inhaftierten Staatsrätin Aung San Suu Kyi, nach einer buddhistischen Zeremonie anlässlich seines Todes am 06.02. im US-Bundesstaat Maryland ihr tiefstes Beileid aus.
„Er hat sein ganzes Leben lang für sein Land gearbeitet“, sagte Moe Zaw Oo, Berater des Außenministeriums dem National Unity Government (NUG), gegenüber DVB. Sein Win war seit der Gründung von DVB am 19. Juli 1992 in Oslo, Norwegen, bis 2012 Vorsitzender des Vorstands.
Er war der Sohn von Ba Win, einem der neun Märtyrer, die am 19. Juli 1947 zusammen mit dem myanmarischen Unabhängigkeitsführer Aung San ermordet wurden – nur wenige Monate vor der Unabhängigkeit Myanmars im Jahr 1948. (DVB)


